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Digitalisierungschancen für KMU: Verborgene Potenziale sichtbar machen, Maßnahmen sicher kalkulieren

Kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) prägen Deutschlands Industrielandschaft. Global betrachtet nehmen viele dieser Unternehmen als Hidden Champion eine führende und innovationstreibende Rolle ein. Die digitale Transformation ist dabei Herausforderung und Chance zugleich, um sich im Wettbewerb und unter fragilen globalen Faktoren zu behaupten.

Die Digitale Transformation als Schlagwort begegnet Entscheidern bereits seit einigen Jahren in Fachmagazinen, Konferenzen und Expertenrunden. Doch in der praktischen Umsetzung und Anwendung hat das Thema immer noch Luft nach oben. Ein Forschungsprojekt des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), welches sich mit der Digitalisierung im Mittelstand beschäftigt, fand bereits im Jahr 2016 heraus, dass vier Fünftel der deutschen mittelständischen Unternehmen keine durchgehende Strategie zur Digitalisierung des Unternehmens hatten.

Obwohl digitale Plattformen, soziale Medien und andere digitale Technologien inzwischen den Alltag bestimmen, haben viele Unternehmen im Mittelstand noch Nachholbedarf. Im Jahr 2021 gab in einer Umfrage die Mehrheit der befragten Unternehmen in Deutschland an, dass sie die Digitalisierung als die größte Herausforderung in den nächsten 12 Monaten sehen. Insgesamt 54 Prozent der befragten Führungskräfte sahen die Standardisierung und Automatisierung von Prozessen als zukünftige Challenge und versprechen sich davon neben Effizienzsteigerungen, Kosteneinsparungen oder einer nachhaltigeren Produktion auch, flexibler auf veränderte Anfragen oder Rahmenbedingungen reagieren zu können.

Potenziale, Chancen und Notwendigkeit der Digitalisierung sind also klar. Doch wie können KMUs mit der Umsetzung starten? Am Markt existieren viele größere und kleinere Lösungen, doch welches Vorgehen oder welche IT-Produkte sind für das jeweilige Unternehmen passend? Viele Entscheider wünschen sich mehr Planungssicherheit und Transparenz, um mit den notwendigen Schritten zu beginnen und zu investieren.

Ein Blick unter die Oberfläche der Produktion: Eine Potenzialanalyse mit easyOEE schafft die nötige Basis für sichere Entscheidungen

Transparenz mit Zahlen, Daten, Fakten: In vielen Produktionsunternehmen wird die Produktivität noch nicht systematisch gemessen. Optimierungspotenziale werden dadurch nicht erkannt, sie bleiben im Dunkeln. Häufig dienen die produzierten Stückzahlen als indirekte Produktivitäts-Indikatoren. Wird eine bestimmte Stückzahl z. B. pro Schicht erreicht, lief die Produktion zufriedenstellend, falls nicht, weniger. Produzieren nach Bauchgefühl ist jedoch keine exakte Methode, denn das Bauchgefühl eignet sich bestenfalls zum Vergleich. Aber: Nur was man messen kann und was einem bewusst ist, lässt sich dauerhaft verbessern. Ein Blick in die Tiefe lohnt sich!

Beispiel Kennzahlen: Mit Hilfe des OEE lässt sich die Produktivität eines Unternehmens ohne große Kosten steigern. Die Erfassung und Auswertung des OEE kann erheblich zur Margensteigerung beitragen. Mehr Output in gleicher Zeit bei gleichen Betriebskosten sowie weniger Unruhe und Stress in der Produktion durch weniger Störungen sind motivierende Punkte, sich dem Thema OEE zu widmen.

Vorgehen: Die Potenzialanalyse mit unserem Produktivitätsmessgerät easyOEE dient als Vorprojekt zur Implementierung des MES FASTEC 4 PRO. easyOEE ist ein schnell und einfach zu installierendes autarkes Komplettsystem, um die Produktivität von einzelnen Maschinen, Linien, Anlagen und Montagearbeitsplätzen zu erfassen und vom PC-Arbeitsplatz aus online auszuwerten: Wir unterstützen unsere Kunden bei der Inbetriebnahme, Datenvalidierung und bei der Umsetzung erster Optimierungen. Das Produktivitätsmessgerät easyOEE wird an einer Maschine angeschlossen. Ihr Elektriker kann vorhandene digitale Signale verarbeiten oder eine Lichtschranke montieren. Die Konfiguration erfolgt auf Basis Ihrer Stammdaten. Der Maschinenbediener meldet zum Start der Produktion einen Fertigungsauftrag am Gerät an. Anschließend erfasst easyOEE Stückzahlen und Produktionszeiten automatisch.

Sobald ein Stillstand anliegt, wählt der Maschinenbediener den Grund der Störung aus einer vorkonfigurierten Liste aus und kann diesen durch Freitexte verfeinern. Ebenfalls besteht die Möglichkeit, technische Störungen der Maschine automatisiert zu verarbeiten. Die Qualität der Produkte wird differenziert, indem ein NIO-Zähler angeschlossen oder der Ausschuss händisch eingegeben wird. Über den Webbrowser erhalten Sie Zugriff auf das Gerät und Transparenz in der Produktion. Sollte eine Netzwerkanbindung nicht realisierbar sein, ist auch der Offline-Betrieb möglich. Die erfassten Daten werden in Live-Ansichten dargestellt und können komfortabel ausgewertet werden.

Transparenz ohne Risiko: Die Analyse ist auf einen Zeitraum von drei Monaten ausgelegt

Die Projektplanung und Zielsetzung stimmt FASTEC gemeinsam mit Ihnen ab. Das Gerät wird geliefert und eine Konfigurationsdatei verschickt. Sie schließen das Gerät an der Maschine an, während FASTEC die Konfiguration vorbereitet. Dabei unterstützen wir Sie durch einen Kickoff sowie zu jeder Zeit durch unseren Support und eine Online-Hilfe. Die Inbetriebnahme und Schulung findet bei Ihnen vor Ort statt. Nach ca. zwei Wochen werden die erfassten Daten gemeinsam validiert und ggf. Anpassungen vorgenommen. Die verifizierten Maschinendaten werden nach weiteren 2-4 Wochen gemeinsam analysiert und Optimierungen abgeleitet. Um den Erfolg der Optimierungen zu messen, findet zu Projektende eine finale Bewertung statt. Als Ergebnis haben unsere Kunden exakte Zahlen zu Optimierungspotenzialen, Kosteneinsparungen und können daraus mögliche Investitionen in Optimierungsmaßnahmen ableiten.

Best Practice: Bis zu 30 % Outputsteigerung bei bei der NaBento Vliesstoff GmbH in Ellefeld (Huesker-Gruppe)

Die NaBento Vliesstoff GmbH gehört zur HUESKER Synthetic GmbH, welche intelligente Geo-Technik entwickelt und produziert. Bei der HUESKER Gruppe darf jeder Produktionsstandort selbst über die in der Produktion genutzte Software entscheiden. Im Werk in Ellefeld sind nur 30 Mitarbeiter an zwei Anlagen beschäftigt, es handelt sich also um einen verhältnismäßig kleinen Produktionsstandort. Hergestellt werden Dichtungsbahnen, welche konventionelle, mineralische Dichtungen sicher und wirtschaftlich ersetzen können. In der Produktion wurde eine Potenzialanalyse mit easyOEE durchgeführt und dabei erfolgreich Möglichkeiten zur Outputsteigerung identifiziert.

Ausgangssituation bei NaBento

In der Produktion wird mit dem ERP-System von SAP gearbeitet. Die Erfassung der Produktionsdaten erfolgte lange Zeit noch manuell, sodass Schichtmeldungen und produzierte Mengen in papierbasierten Schichtprotokollen händisch erfasst wurden. Zudem wurden bei Rüst- und Reinigungszeiten lediglich Schätzungen vorgenommen, was eine sehr ungenaue Datenbasis zur Folge hatte. Dazu kamen ein hoher Verwaltungsaufwand und unübersichtliche Papierberge in der Produktion, sodass es an Objektivität und Transparenz bei der Erfassung und Auswertung von Produktionsdaten fehlte. Mit einem Personalwechsel in der Produktionsleitung wurde die Suche nach einer digitalen Lösung angestoßen. Potenziale in der Produktion sollten identifiziert werden, um Optimierungen einzuleiten und die Effizienz in der Fertigung zu steigern. Im ersten Schritt gilt es Daten zu erfassen, zu strukturieren und zu analysieren. 

Christopher Fischer, Werksleiter der NaBento Vliesstoff GmbH erklärt:

Ohne größere Investitionen erst einmal die Potenziale der Produktion auszuloten und die digitale Datenerfassung an einer Anlage zu testen, war für uns die optimale Lösung. Dazu kam, dass die Kommunikation mit FASTEC von Anfang an sehr gut war: einfach und klar.

Der Schritt in die digitale Fertigung

Im Arbeitsalltag lagen die Vorteile von easyOEE schnell auf der Hand: Die digitale Lösung hat dafür gesorgt, dass viel Papierkram und händische Arbeit weggefallen sind. Die Potenzialanalyse deckte die Schwachstellen der Produktion beispielhaft an einer Anlage auf und sorgte für Transparenz in Echtzeit über den aktuellen Status der Produktion. „Durch easyOEE haben wir das Potenzial zu Outputsteigerungen von 20-30 % identifiziert, welches vorher nicht zu erkennen war. Wir freuen uns, diese Potenziale mit FASTEC 4 PRO an allen Anlagen realisieren zu können!“, bestätigt Christopher Fischer.

Schrittweise werden nun mehrere Anlagen an FASTEC 4 PRO angebunden. Die Skalierbarkeit der Softwarelösung steht dabei im Mittelpunkt. Christopher Fischer begründet diese Entscheidung mit den positiven Ergebnissen der Potenzialanalyse sowie der guten Zusammenarbeit mit FASTEC. Zusätzlich legt er mit dieser Entscheidung den Grundstein für weitere Digitalisierungsmaßnehmen. Ein MES ist besonders stark in der Erfassung von Betriebs- und Maschinendaten und liefert damit das Fundament auf dem Weg der digitalen Transformation.

Ziele der Digitalisierung bei NaBento

  • Effizienzsteigerung: Optimierung der Abläufe an allen Anlagen, um den Output weiter zu steigern
  • Transparenz: Aktuelle Statusanzeige an Bildschirmen in der Produktion und auf mobilen Endgeräten
  • Visualisierung: Unterstützung der Maschinenbediener, Produktionsleiter, technischen Leiter und Geschäftsführung durch intuitiv verständliche Daten 

Christopher Fischer, Werksleitung NaBento Vliesstoff GmbH, fasst die Ergebnisse zusammen:

Wir wussten durch die Potenzialanalyse mit easyOEE, dass sich die Investition in eine ganzheitliche Lösung lohnt und auf Dauer wirtschaftlicher ist.

Chancen ergreifen

Basierend auf diesen Erfolgen wurde bei NaBento der Projektstart mit der ganzheitlichen Softwarelösung FASTEC 4 PRO initiiert. Die Implementierung einer MES-Software ist aufgrund der flexiblen Skalierbarkeit auch für den kleinen, mittelständische Standort lohnenswert, sodass nach Abschluss des ersten Projektes mit FASTEC 4 PRO Erweiterungen folgen sollen. Bei den momentanen Ideen zur Standortentwicklung und Neuanschaffung einer Anlage soll die Software ebenfalls Berücksichtigung finden. Weiterhin ist eine SAP-Schnittstelle geplant, um Fertigungsaufträge digital in das MES zu integrieren und Mengen sowie Zeiten an das ERP-System zurückzuschreiben.

Fazit

KMU sind oft flexibler und agiler als Konzerne, da sie weniger Abstimmungsprozesse durchlaufen müssen. Das ist auch auf dem Weg der digitalen Transformation ein entscheidender Vorteil. Auf der anderen Seite scheinen die Hürden durch bspw. finanzielle Aufwendungen groß und unberechenbar. Um diese Unsicherheiten abzufedern, bietet gerade kleinen und mittelständischen Unternehmen das Vorgehen der Potenzialanalyse mit easyOEE die Chance, Investitionsentscheidungen auf eine solide Basis zu stellen. Die mit easyOEE gewonnen Daten sind die passende Grundlage, um Entscheidungen für Investitionen in Digitalisierungsmaßnahmen zu rechtfertigen und Skeptiker zu überzeugen. Erste Optimierungspotenziale können direkt umgesetzt und genau beziffert werden, ob sich eine Investition lohnt. Anschließend können Maßnahmen, wie die Einführung einer MES-Software, konkret geplant werden – ohne finanzielle oder zeitliche Risiken!

Mit baukastenähnlichen Modulen kann die MES-Softwarelösung anschließend schrittweise und bedarfsorientiert implementiert werden. Maschinendatenerfassung (MDE) und Betriebsdatenerfassung (BDE) als Einstieg können nach und nach mit weiteren Modulen wie Feinplanung, Qualitätssicherung, Instandhaltung oder Traceability sowie umfangreichen Zusatzfunktionen individuell ergänzt werden, um Prozesse zu analysieren und zu optimieren. Ausschussmengen können dadurch erhöht und die Kosten anteilig reduziert werden. Langfristig wird so der gesamte Betriebsprozess effektiver, flexibler und bleibt nachhaltig wettbewerbsfähig. Der Weg zur digitalen Fertigung wird mit diesem Vorgehen auf eine solide Basis gestellt, deutlich erleichtert und beschleunigt. 

Autor: Lars Knitter

Sales and Marketing Director
Beratung von Interessenten und Kunden sowie Begleitung von nationalen und internationalen Digitalisierungsprojekten mit Erfahrung seit 2013.

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